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Kurztrip nach Linz  
Urlaub für eine Nacht
 
Untere Donaulände 10 - Passau | Rubrik: Drei Flüsse
Bildbeitrag vom 30.05.2016

Ein ausgiebiger Sommerurlaub ist dieses Jahr nicht drin, damit habe ich mich längst abgefunden. Aber weil Balkonien meist mit lautem Rasenmähergebrüll und Straßenlärm verbunden ist, beschließe ich, dieses Jahr einfach ein paar Kurztrips zu machen.

Ich packe meinen Koffer und nehme mit....

Mein erstes Ziel sollte Linz sein, nicht zu weit, nicht zu fern, nicht zu groß, nicht zu klein und so ein bisschen kenne ich die Stadt zumindest von den zahlreichen Ikea-Besuchen der letzten Jahre. Prima Voraussetzungen also für eine kleine Wochenendreise. Von Freunden weiß ich, dass man in Linz, dank Parkgebühren um die Zwanziger-Marke, besser beraten ist, das Auto zuhause zu lassen. Also muss eine Alternative her. Aus dem Internet suche ich mir eine Verbindung heraus, die meinem Entspannungswunsch gut in die Karten spielt: Mit dem Schiff nach Linz und der Bahn zurück. Das Kombiticket von Wurm & Köck ist im Warenkorb und meine Taschen schon halb gepackt.

Ahoi! Von spontanen Fahrgästen, fleißigen Matrosen und Sonnenbrand

Um 9 Uhr Freitagmorgen finde ich mich auf dem Deck des Passagierschiffes wieder. Ich suche mir einen Platz an der Reeling, schaue mich um und blicke in entspannte Gesichter. Die Stimmung ist ruhig und außer dem Motorengeräusch des Kühlaggregators ist nichts zu hören. Langsam setzt sich das Schiff in Bewegung. Eine Frauenstimme aus den Lautsprechern begrüßt alle Passagiere. Ich bestelle mir einen Cappuccino, packe mein Buch aus und beschließe für die nächsten fünf Stunden nur im nötigsten Fall meinen gemütlichen Platz zu verlassen.

An Bord fällt mir besonders eine Mädelsgruppe auf, die mit etwa 25 Jahren deutlich unter dem Altersdurchschnitt liegt. Die beiden Lisas, Kathi, Judith und Marlene haben genau das getan, was ich noch vor mir habe. Die fünf sind für eine Nacht mit der Bahn in Passau angereist, haben sich die Stadt angesehen, waren feiern und treten nun mit dem Schiff die Rückreise an.
Neben Partyausflüglern und Citytrippern sind scheinbar auch viele Spontanreisende an Bord. Eine ältere Frau spricht mich nach Obernzell an: “Sagen Sie mal, Sie haben da einen Stadtplan, wo fahren wir denn überhaupt hin?!“. Etwas überrascht drücke ich ihn meinen Linz-Citymap in die Hand. „Ach, nach Linz – wie schön, na dann suchen wir uns mal einen Platz“. Sie und eine weitere Dame waren in Obernzell am Donauufer unterwegs und beschlossen spontan in das Schiff einzusteigen, das gerade für Zusteiger anlegte.

Achzig Prozent dieser Zusteiger sind Radfahrer, die einen Teil des Donauradweges zurückgelegt haben und mit großem Durst an Bord steigen. Hier werden sie von zahlreichen Servicekräften mit Getränken versorgt. Einer dieser Servicekräfte ist Jan. Die gesamte Fahrt lang serviert er Aperol-Spritz, Eiskaffee und Snacks für die Fahrgäste. Als mir gerade die Augen zufallen, höre ich ihn neben mir: „Mhh, vielleicht einen Kaffee oder ein Red Bull für Sie“. Oh ja, danke Jan.

Das Schiff fasst, wie ich mir vom Kapitän höchstpersönlich erzählen lasse, maximal 1400 Plätze. Körpöly Geza sitzt seit 1994 am Schiffssteuer und fährt seit vier Jahren für Wurm & Köck. An seiner Seite: Matrose Enis Shabani. Fünfmal die Woche schippern die beiden  nicht nur Linienfahrten wie heute, sondern auch einige Sonderveranstaltungen wie Hochzeiten, Partys und Weihnachtsfeiern.

Entlang des gesamten Donauufers wird die Sonne begrüßt, die scheinbar heute wiedergutmachen möchte, was sie die letzten Wochen verbockt hat. Im Gasthof Draxler werden Schirme aufgespannt, Vater und Sohn bearbeiten mit dem Rasentrimmer den Vorgarten, während eine Frau im Nachbargarten Wäsche aufhängt, die glatt als Persilwerbung durchgehen könnte. Auch die ersten Badenixen haben sich an den Sandbänken eingefunden, um vorsichtig die Beine in die kalte Donau zu strecken.

Um kurz nach vierzehn Uhr legt das Schiff am Lentos Kunstmuseum an. Ich steige von Bord und merke erst mal wie heiß es ist. Der Fahrtwind hat die Kraft der Sonne ganz hinterlistig vertuscht. Das nächste Mal also unbedingt mit Sonnencreme.

Eingecheckt ins Wochenende

Das Hotel, das ich mir ausgesucht habe, liegt direkt am Mariendom. Also, Rucksack angeschnallt, Stadtplan ausgepackt und ab durch die Stadt. Als ich einchecke oute ich mich direkt als Linzneuling und bitte die freundliche Rezeptionistin um ein paar Tipps für mein Tages- und Abendprogramm. Nach einem kurzen Smalltalk steige ich mit einem ganzen Stapel voller Broschüren und Büchlein über die Stadt in den Aufzug ein. Kaum auf dem Zimmer angekommen klingelt mein Telefon. Es ist die Rezeptionistin. Wenn ich noch mehr über die Stadt erfahren möchte, der Hoteldirektor Herr Bortoli biete sich als Guide an. Ein Linzer, der mir ein paar Insider-Tipps geben möchte? Dazu sage ich nicht nein.

Um drei Uhr treffe ich Herrn Bortoli im Foyer. Der gebürtige Wiener lebt seit einigen Jahren hier in Linz und seine Liebe zur Stadt ist auf Anhieb zu spüren. Unsere Tour beginnt, wie soll es anders sein, direkt im Hotel. Der Kunstliebhaber hat sich seine Leidenschaft einfach mal mit in den Beruf genommen und stellt im Hotel Kunstwerke aller Art aus. Angefangen von Fotographie an den Wänden, Skulpturen in allen Etagen, handgemachte Möbelstücke, bis hin zu Lichtinstallationen. Überall sind künstlerische Details zu entdecken. In allen Stockwerken beispielsweise schmückt der Spruch „Sprache ist das wichtigste Hilfsmittel für Kommunikation“ in wechselnder Reihenfolge als Lichtprojektion weiße Leinwände. Zwischenmenschliche Kommunikation hat auch eine andere Idee zum Thema. Nämlich ein Kunstprojekt, das sich „Die Schatulle“ nennt. Dabei handelt es sich um ein Holzkästchen, das sich auf jedem Zimmer befindet. In diesem Holzkästchen können Hotelgäste Kleinigkeiten für ihre Nachfolger hinterlassen. Von verpackten Shorts über Brieflein mit netten Worten bis hin zu originalverpackten Handys war hier schon alles dabei, wie mir der Hotelbetreiber erzählt.

Unsere Tour geht weiter im Restaurant Paul´s, das direkt neben dem Hotel liegt und damit dieselbe atemberaubende Aussicht auf den Dom bietet. Hier werden mittags und abends mehrere hundert Gäste mit Steaks, Burgern und ausgefallenen Kreationen verköstigt.
Ein Restaurant, das Anfang Juni eröffnen sollte und damit noch in den letzten Zügen steckt, darf ich mir zusammen mit Hernn Bortoli ebenfalls ansehen. Der Betreiber Kevin Gross serviert hier in Kürze mit seinem „Stadtliebe“-Team „Speis + Schank“ im Vintage-Industial-Flair. Mit auf der Karte: Saftige Steaks und erlesene Weine.

Durch die Straßen von Linz, an kleinen Handwerksläden vorbei, durch zugewachsene Biergärten in Hinterhöfen endet unsere Tour schließlich im Mariendom. Durch das angenehm kühle Gemäuer der größten Kirche Österreichs schlendernd erzählt mir Bortoli von einer künslterischen Arbeit, die hier zu bewundern ist. Aus ausrangierten Gotteslob-Büchern hat der Künstler Josef Pfeiffer Möbel geschaffen, von denen eines auch im Hotelfoyer zu bewundern ist. Und tatsächlich, zurück im Hotel fällt mir sofort die Bank auf, die aus einem Holzrahmen gebaut wurde und mit holzähnlich angeordneten Gebetsbüchern und Harz ausgefüllt wurde.

Feuerwerke und leicht einen Sitzen

Mittlerweile ist es schon später Nachmittag und nach einem kurzen Schläfchen im Hotelzimmer ziehe ich mit guten Tipps auf meinem Notizblock los, um etwas gegen das Magenknurren zu tun. Auf Empfehlung meines Guides hin lande ich nach einem kurzen Spaziergang im Pianino. Das Szenelokal liegt günstigerweise direkt in der Stadt, sodass ich zugleich ausloten kann, wo ich morgen Sandalen herbekomme. Eine weitere Notiz an mich: Zur Sonnencreme gesellen sich beim nächsten Mal unbedingt auch ein paar Flip-Flops. Ich suche mir ein Plätzchen auf der kleinen Terrasse des Bar-Restaurants. Blumen, Weinflaschen und Kerzen sorgen hier im schmalen Seitenhof für richtige Urlaubsstimmung und ich fühle mich angekommen. „Ein Quittenspritzer und ein Pastrami-Sandwich bitte“.

Begleitet vom atemberaubenden Feuerwerk des Donau-in-Flammen trete ich gesättigt den Heimweg an. So ein Kurzurlaub ist schon etwas Schönes. Angekommen im Hotel lasse ich mich nach einer kurzen Dusche direkt ins Bett fallen und vor der Kulisse des mit Strahlern ausgeleuchteten Mariendoms fallen mir die Augen zu.

Baba Linz, war schön mit dir!

Um acht Uhr morgens weckt mich die Sonne und mit demselben Ausblick, den ich in den Schlaf mitgenommen habe, beginne ich auch meinen Tag. Hungrig finde ich mich eine viertel Stunde später vor dem Frühstücksbuffet wieder. Emsige Bedienungen bieten frisch gekochte Eier an und tragen Lachs und Käseplatten ans Buffet. Einen Latte Macchiato, einen frisch gepressten Orangensaft und ein Camembert-Brötchen später befinde ich mich auf dem Weg in die Stadt. Auf dem Hauptplatz rund um die Dreifaltigkeitssäule findet ein Flohmarkt statt und ich wühle mich durch Bücher, alte Kassetten und Trachtenjanker. Mein Spaziergang führt mich nach einer Weile am Donauufer entlang, wo ich Menschen beobachte die wie ich am Vortag von den Schiffen steigen. Über die Niebelungenbrücke laufe ich vorbei am Ars Electronica Center zum Urfahraner Jahrmarktsgelände, auf dem ein riesen Street-Food-Festival stattfindet. Drei Euro Eintritt mit einem Drei-Euro-Verzehrgutschein, das kenne ich so nur aus der Camera. Als ich mich endlich entschließe, an welchem der unzähligen Stände ich mir einen Pulled Pork Burger kaufen möchte, hole ich zum Zahlen den Geldbeutel heraus. Dabei flattert mir aus der Tasche meine To-do-Liste von gestern entgegen. Ich habe noch einiges abzuarbeiten. Linz wir sehen uns definitiv wieder... 

Bild & Text: pana

 
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