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mit Schablone und Kleister
 
Passau | Rubrik: Szene
Bildbeitrag vom 19.08.2008
von Christian Breit

Nutzt Mann wie auch Frau die Nacht für gewöhnlich zur Regeneration oder irgendeiner Form der Freizeitbeschäftigung, führen Angehörige der Streetart-Szene bevorzugt in diesen Stunden ihren Feldzug gegen Eintönigkeit und Tristesse. Nichts scheint mehr sicher vor überdimensionalen Abziehbildern und Sprühfarbe. Die Dunkelheit legt sich wie ein schützender Mantel um die rebellischen Künstler, sodass weder Polizei noch Hauseigentümer große Chancen haben sie auf frischer Tat zu ertappen.

Streetart mit Schablone und Kleister – um nur die gängigsten Methoden zu nennen - ist, vereinfacht gesagt, evolutioniertes Graffiti. Dabei wird Farbe durch die Auslassungen in der Schablone auf beinahe jeden beliebigen Untergrund gesprüht oder ein bereits fertiges Motiv, ähnlich einer Tapete, auf eine ebene Fläche geklebt.
Die bekanntesten Werke stammen aus der Hand eines jungen Briten. Banksy hat mit seiner Kunst das Interesse einiger prominenter Persönlichkeiten angezogen und wurde dadurch selbst zum Star. Allerdings geriet durch den Trubel um seine Person auch seine Anonymität ins wanken. Ein hohes Risiko, denn in den Augen des Gesetzes ist Streetart Sachbeschädigung und wird mit Geld- oder sogar Freiheitsstrafen geahndet. Ob es sich dabei um obszöne Schmierereien, ein sogenanntes „Tag“ (individueller Schriftzug) oder um Motive mit künstlerischem Anspruch handelt, ist irrelevant.

Doch die rechtliche Belangbarkeit ist weniger Hemmschuh als wesentlicher Bestandteil dieser Kunstform. Man will anecken, wachrütteln und den Betrachter in den Bann des Objekts ziehen. Oftmals werden zu diesem Zweck politische und sozialkritische Botschaften miteingeflochten. Was jedoch diese Kunstform auszeichnet ist es, den Bürger inmitten gewohnter Umgebung unvermittelt mit etwas gänzlich Unerwartetem zu konfrontieren. Wer würde schon damit rechnen auf dem Weg in die Arbeit einem schick gekleideten, rosa Hasen zu begegnen, der für die Legalität seiner Existenz protestiert? Nicht weniger überraschend ist der Anblick einer Feuerblume, deren Pixel man eigentlich nur aus Computerspielen der 80er Jahre kennt.

Wenngleich sich die Geister an dieser Ausdrucksform scheiden, muss man doch feststellen, dass sie sich in ihrer Ästhetik verfeinert hat und dadurch breitere Akzeptanz findet. Nimmt man beispielsweise die gesprühten Kinder am Paulusbogen: Es ist verblüffend, dass sich mit einer Spraydose etwas derartig Filigranes und zugleich Ausdruckstarkes anfertigen lässt. Sehen Passanten das kleine Paar tagein, tagaus voller Faszination gen Himmel blicken, fällt es vielen schwer, darin böswilligen Vandalismus zu erkennen.
Maßgeblich für den Gesamteindruck ist neben dem Motiv das Arrangement, in dem es sich befindet. Es ist am Künstler eine harmonische Komposition mit der komplexen Beschaffenheit städtischen Raums herzustellen. Zum einen geht es darum, den richtigen Untergrund zu finden. Farblich muss er den nötigen Kontrast zu den verwendeten Objektfarben bieten und die Struktur darf bei einigen Techniken nicht zu ungleichmäßig sein. Weiterhin spielt die unmittelbare Umwelt eine Rolle. So kann z.B. der Lichtkegel einer Straßenlaterne das Werk bei Nacht richtig in Szene setzen, wohingegen ein knallbuntes Blumenbeet bei Tageslicht die Aufmerksamkeit möglicherweise ablenkt.
Aspekte, die vom Betrachter nicht bewusst wahrgenommen werden, aber einer gewissen Vorbereitungs- und Planungsphase bedürfen. Denn während der Installation herrschen weder die nötigen Bedingungen, noch bleibt genügend Zeit für Versuche und Überlegungen.

Passau steht mit diesem Phänomen noch am Anfang. „OKO“ (abgeleitet vom lateinischen Begriff oculus: Auge) ist die Signatur unseres Banksy’s. Seinen Kreationen werden vermutlich noch weitere folgen. Und besser man stellt sich früher als später die Frage, wie man damit umgehen will.
In größeren Städten haben sich Graffitis zu einem wahren Problem ausgewachsen. Spezialeinheiten der Polizei und die Reinigung betroffener Objekte verschlingen zunehmend größere Summen und die Staatsgewalt ist weit davon entfernt, die Lage unter Kontrolle zu haben. In New York z. B. ging man sogar so weit, Jugendlichen den Besitz von Spraydosen und Markern per Gesetz zu verbieten. Solche politischen Rundumschläge sind Zeichen von Desinteresse und Resignation und dabei nur in den seltensten Fällen effektiv.
Erstrebenswerter erscheint ein integratives Konzept, dass junge Kultur nicht grundsätzlich verbietet oder an den Stadtrand verbannt. Denn zum einen sollte jede mündige Generation Mitsprache- und Mitgestaltungsrecht haben. Und zum anderen sind es diese zum Teil sehr kreativen und engagierten Jugendlichen, die Morgen in Passau leben. Oder eben auch nicht…


Banksy ist einer der populärsten Szenevertreter - banksy.co.uk

Breites Repertoire an Streetart und benachbarten Kunstformen - rebelart.net

Infos und Links zu Streetart - wikipedia.org/wiki/Streetart

 
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