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Großes Herz für Passauer Kinder  
Tabak-Bar
 
Dr.-Hans-Kapfinger-Straße 3 - Neue Mitte | Rubrik: Menschen
Bildbeitrag vom 06.12.2008
 

In einigen Tagen wird das strenge bayerische Rauchergesetz ein Jahr alt. Es hat seitdem für viel Aufregung gesorgt. Doch jetzt im Advent wollen wir einmal eine eher unaufgeregte Geschichte erzählen. Sie ist bei alledem immer noch angefüllt mit dem Gewusel bayerischer Wirtshäuser. Aber der Reihe nach:

Passau, Roßtränke 4. Thomas Weiherer führt hier die Tabak-Bar mit angegliedertem Zigarrenhandel. Einzelhandelsunternehmung mit integriertem Gastronomiekonzept, das ist in Deutschland noch nicht allzu lange etabliert. Weiherer war einer der Pioniere. Doch auch die bekommen kalte Füße, wenn Parlamente nicht bis zur Gänze Bedachtes ins Werk setzen. Er machte das, was viele taten und gründete einen Raucherverein. So ein Name ist wahrlich nicht schön, deshalb steht auch „Tabak Club der Tabak-Bar Passau e.V.“ im Vereinsregister. Das hat Stefan Schwarz so eingerichtet, der ist Vorstand und verwaltet die mittlerweile gut 780 Mitglieder. Die wiederum zahlen einen Beitrag fürs Rauchen, [...]
 

[...] Trinken und Beisammensein, und genau da liegt der Hase im Pfeffer. „Wir sagen jedem, zahlen musst du, damit dem Rauchergesetz Genüge getan ist. Es soll ja alles seine Ordnung haben. Der Beitrag frisst keinem ein Loch in die Tasche, doch wie's halt so ist mit dem Kleinvieh, es... ...vermehrt sich. Aber keinem von uns gehört das Geld wirklich“, fasst Stefan Schwarz zusammen. Was tun? Richtig. Spenden. Und wer bekommt's? Hier vor Ort soll das Geld bleiben, damit alle wissen, dass es gut angelegt ist. An eine Spende für Kinder denken die beiden freundlichen Herren. Kinder können sich noch so richtig freuen. Im Ort, nur einen Altstadtspaziergang von der Tabak-Bar entfernt, im Lukas-Kern-Haus, der „Bürgerlichen Waisenhausstiftung zu Passau“ - genau die sollen die Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen bekommen. Der Verein findet die Idee prima, und so überweist man bereits im vierten Monat des Rauchverbotsjahres I einen ersten Spendenbetrag. Im Sommer berichtet die Passauer Neue Presse über eine zweite Aktion. Und jetzt ist halt wieder staade Zeit...

Passau, Dr.-Hans-Kapfinger-Str 3, Nikolausabend des Rauchverbotsjahres I. Im Wirtshaus Bayerischer Löwe kontrollieren die Geschäftsführer Alexander Weiherer und Adrian Hüttenberger noch einmal zwei große eingedeckte Tische. „Wir warten auf elf Lukas-Kern-Kinder und ihre drei Betreuer, wir richten heute für alle einen Festabend aus, inklusive Bewirtung à la carte. Mein Bruder kommt auch gleich von seiner Tabak-Bar herüber, das will er sich ja nicht entgehen lassen“, sagt Alexander Weiherer. Geheimnisvoll fährt er fort: „und dann warten wir auf noch jemanden, denn es ist ja Nikolausabend“. Kurze Zeit später sitzen alle beieinander, die zwei Weiherers, Adrian Hüttenberger, Stefan Schwarz, und alle haben sichtlich Freude bei dem Anblick der fröhlichen Kinder, die sie umringen und es sich schmecken lassen. „Für uns sind das durchaus besondere Anlässe, die wir sehr genießen“, meint Peter Niemeier, er hat die Gesamtleitung des Kinderheims inne. Ich solle mir das ein bisschen wie einen Familienausflug im XXL-Format vorstellen, so etwas mache man ja auch nicht jeden Tag. Stefan Schwarz lacht übers ganze vollbärtige Gesicht, er ist zwar heute quasi dienstlich als Vereinsvorstand hier, lässt es sich aber auch beim Geschäftlichen gut gehen: „Also, wir haben die Firmen Kickum Ledermoden und die ABS Steuerberatungsgesellschaft mit ins Boot geholt, wir vom Tabak Club schenken jedem Kind einen Einkaufsgutschein, ja, und dann ist noch jemand mit dabei“. Auf die Nachfrage folgt nur ein wissendes „Wart's ab-Lächeln“, doch schon geht die Tür auf und ein gänzlich schwarz gewandeter Krampus stürmt herein. Schwer bepackt mit ziemlich vielen und ziemlich großen Säcken. Und wo bitteschön hat er den Nikolaus gelassen? Er käme als Vertretung, ob's denn recht wäre (in der Dompfarrei sei nämlich kein Nikolauskostüm mehr verfügbar gewesen). Natürlich geht das in Ordnung, reichlich „Apfel und Nuss und Mandelkern“ kommen aus den Säcken zum Vorschein und endlich sitzt auch Gerhard „Krampus“ Gibis mit in der Runde. Das Nikolaus-Gewand sei weniger schweißtreibend, meint er in Vorfreude auf sein schwer verdientes Weißbier. Man gönnt es ihm. „Früchte Ortmeier hat sich auch beteiligt – nicht zu übersehen, oder?“ Ich will Stefan Schwarz beipflichten, doch er ist von einem der Kinder in Beschlag genommen, das freudig die Geschenke präsentiert. Geteilte Freude? Doppelte Freude. Peter Niedermeier und Thomas Weiherer setzen sich zu mir. „Es ist sogar noch eine extra Geldspende vom Tabak-Club gekommen. So klappt's mit dem geplanten Skitag in Niederfirmiansreut“. „Und fürs Frühjahr habe ich schon so eine Idee“, raunt mir Weiherer zu. Er stehe bereits mit Pullman City wegen so eines 'Familienausflugs im XXL-Format' in Verhandlung. „Ich freue mich schon jetzt auf die Gesichter der Kinder.“

Hier endet die Geschichte. Zugegeben, etwas abrupt, aber eine von Peter Niedermeiers Zöglingen beansprucht wieder seine Aufmerksamkeit und den Platz neben ihm. Den habe ich ihr anscheinend weggenommen, welch ein Fauxpas! Sie mag ungefähr fünf Jahre alt sein, lange blonde Haare hat sie und sehr neugierige Augen. Als Thomas Weiherer und ich den älteren Jungs am Tisch kurz zuvor erklärten, was man denn mit so einem Einkaufsgutschein anstellt, spickte sie schon in einem fort in meinen Notizblock. Nun steht sie wieder vor mir, schaut mich eindringlich an und tritt von einem Bein aufs andere. Sie sagt kein Wort. Bei den von mir angestrengten stummen Verhandlungen um den Sitzplatz scheitere ich kläglich. Ihr Vertrauen will verdient sein, und der Preis übersteigt meine Mittel. Warum das so ist, mag ich nicht fragen. Darum sage ich der kleinen Dame und den engagierten Herren adieu und ziehe meines Weges. Zufrieden denke ich dabei: diese Verbindung geht sicherlich nicht in Rauch auf.


tsc/passau-live.de



Liebe Besucher von passau-live.de,
sicher ist Ihnen aufgefallen, dass sich in diesem Artikel viel um einige freundliche Passauer Mitmenschen dreht, die etwas für Kinder tun, diese Kinder jedoch in Text und Bild so gut wie gar nicht vorkommen. Das macht Sie zurecht skeptisch. Wir wurden jedoch von den hier vorgestellten Großen gebeten, keine Namen oder Bilder der von ihnen bedachten Kleinen in unseren Bericht einfließen zu lassen. Warum? Nun, wenn Sie einmal die sympathische selbstgestaltete Website des Kinderheims www.kinderheim-passau.de besuchen, dort hält man es mit Verweis auf gesetzliche Schutzpflichten ganz genau so. Drumherum-Erzählen verärgert. Schreiber und Leser übrigens gleichermaßen, und ganz egal ob es um kleine Passauer geht, die einen ziemlichen Packen Lebensbürde zu stemmen haben, oder etwas anderes im Mittelpunkt steht. Jedoch, der Ärger, den die Kinder zusätzlich wegstecken müssten, wenn ihr Name fiele, wiegt ungleich schwerer. Genau deshalb schweigt hier der Autor und bittet statt dessen, nicht in Aufregung über diese unaufgeregte Geschichte zu geraten.


 
 
 
 

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