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Passau brennt!
Dezember 2009
An der Passauer Universität tut sich etwas, was viele nicht für möglich gehalten haben.

Die sonst so braven Passauer Studenten streiken! Die nicht gerade im Ruf der Aufmüpfigkeit Stehenden wehren sich gegen Studiengebühren und überfrachtete Studiengänge. Durch den Bildungsstreik weht ein Hauch von `68 nicht nur durch die großen Städte,auch Passau ist dabei. Mit über 1000Teilnehmern erlebte die Dreiflüssestadt eine der größeren Demonstrationen ihrer Geschichte. Sogar eine Audimaxbesetzung wurde organisiert.
Alles lief friedlich und harmonisch ab. Anders als vor 40 Jahren haben selbst die Professoren Verständnis für die Forderungen der Studierenden und die Konfrontation hielt sich in Grenzen. So ging Unichef Schweizter auf viele der Forderungen ein und konnte so die Besetzung beenden. Wer nun geglaubt hat, der Spuk sei so schnell vorbei wie er gekommen ist, dürfte sich getäuscht haben. Die Studenten wachen peinlich über die Einhaltung der Zusagen und wollen mit ihren Aktionen weitermachen. Noch sind ja viele Forderungen nicht erfüllt.
Hier nun ergibt sich eine grosse Chance für die immer noch junge Universitätsstadt Passau. Die Uni scheint immer noch einWurmfortsatz zu sein. Die Passauer könnten sich endlich mit „ihren“ Studenten identifizieren. Bisher sind sie zwar als ökonomischer Faktor willkommen, dass es sich aber nicht nur um Kinder reicher Eltern handelt, die hier einen Studienurlaub verbringen, sondern meist um junge Menschen, die genau wie viele Passauer, mit existenziellen Problemen kämpfen, sollte uns allmählich dämmern. Natürlich kommt es immer wieder zu Problemen mit den meist nur kurz in der Stadt weilenden Studenten, die manchmal, jung und unreif, über die Stränge schlagen. Es bietet sich die Möglichkeit für praktische Solidarität. Genauso wie man sich vorbildlich für die jungen Arbeitslosen einsetzt, sollte man auch den Studenten Unterstützung entgegenbringen.
Kleine Bespiele dafür gibt es bereits: Da ist der Pizzabäcker, der die Streikenden mit Freipizza versogt, oder der Stadtrat, der mit dem Obstkorb vorbeischaut. Wenn sich jetzt bei kommenden Aktionen vielleicht auch normale Passauer anschließen, zeigt man den jungen Menschen, dass die Universität und ihre Studierenden endlich
in der Mitte Passaus angekommen sind, nämlich in den Herzen seiner Bürger. Ich bin mir sicher, es wird zurückgegeben!
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