Dschunglcamp Breitenberg
März 2010
Man stelle sich vor, man müsste aus irgendwelchen Gründen in ein anderes Land flüchten und würde dort interniert und bekäme nur die landesübliche Kost zu essen. Das kann in einigen exotischen Ländern zu prekären Situationen führen, in denen man lieber nichts isst. Da hieße es dann: Iss die Maden oder Heuschrecken oder gar nichts.
In einer ähnlichen Situation befinden sich einige Flüchtlinge in Hauzenberg und Breitenberg. Sozusagen ein umgekehrtes Dschungelcamp. Denn was uns normal und genießbar erscheint, ist für Menschen aus anderen Kulturkreisen oft eine Zumutung. Darüber sollte man nachdenken, wenn man Menschen fernab in kleine Randgemeinden verfrachtet, wo ihnen auch jegliche Möglichkeit zum Kontakt zu Landsleuten genommen ist, die eventuell in München oder anderen Ballungszentren leben. Diese Situation hat nun wohl zu verzweifelten Aktionen der Bewohner geführt.
Sie traten vor kurzem in einen Hungerstreik und wollten damit auf ihre schlechten Lebensbedingungen aufmerksam machen.
Um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, sind die Hindernisse zu hoch und kommen faktisch einem Arbeitsverbot gleich. Durch eine Lockerung der Regelung hätten sie die Möglichkeit, sich aus der finanziellen Abhängigkeit zu befreien und für sich selbst zu sorgen. Zudem schränken Regelungen wie die Residenzpflicht, welche den Flüchtlingen untersagt den Landkreis ohne Genehmigung zu verlassen, ihre Bewegungsfreiheit wesentlich ein. Der Protest richtet sich eben auch gegen die Verpflegung durch Essenspakete. Die Flüchtlinge möchten sich zumindest in Bayern uneingeschränkt bewegen können und ihre Nahrungsmittel ihren Bedürfnissen entsprechend selbst einkaufen
Sie haben nun, größtenteils aus gesundheitlichen Gründen, ihren Hungerstreik ausgesetzt, verweigern aber weiterhin die Annahme der ihnen zugeteilten Essenspakete. Für die Zeit dieses Boykotts versucht nun ein„Passauer Bündnis für die Rechte der Flüchtlinge“ eine Notversorgung der protestierenden Flüchtlinge sicherzustellen. Es besteht aus Einzelpersonen um den der Sprecher der DGB Jugend Samuel Kammermeier. Um die Versorgung zu ermöglichen, wendet sich das Bündnis mit einem Spendenaufruf an die Öffentlichkeit. Diesen Spendenaufruf unterstützen wir hiermit. Menschen, die für die Flüchtlinge spenden möchten, werden gebeten unter dem Stichwort „Flüchtlingsunterstützung“ auf das Konto des „ZAKK e.V.“ mit der Nummer 240 298 596 bei der Sparkasse Passau (BLZ: 740 500 00) zu überweisen.
Spenden sind ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit den Flüchtlingen.
Ein solches haben die Passauer gesetzt, als eine Demonstration mit über 120 Menschen durch die Dreiflüssestadt zog. Der Protest richtete sich mit drei Hauptforderungen an Politik und Behörden: uneingeschränktes Recht auf Arbeit, Bewegungsfreiheit in ganz Bayern, Abschaffung der Essenspakete.
Gerd Jakobi |